Der Kontozustand – in Seller Central „Verkäuferleistung“, im Englischen Account Health – entscheidet darüber, ob du weiter auf Amazon verkaufen darfst. Viele schauen erst hin, wenn eine Warnung kommt. Dann ist es oft schon knapp. Hier erfährst du, welche Kennzahlen Amazon misst, wo die Grenzen liegen und was zur Sperre führt.
Stand: Oktober 2026. Grundlage sind die Seller-Central-Hilfeseiten für Deutschland.
Die Bewertung der Verkäuferleistung
Die Bewertung der Verkäuferleistung ist ein farbcodierter Wert von 0 bis 1000. Der Wert zeigt fast in Echtzeit, wie hoch das Risiko ist, dass dein Konto in einem Store wegen Richtlinienverstößen deaktiviert wird:
- Gut (grün): 200 bis 1000 Punkte – kein Deaktivierungsrisiko aus den erfassten Richtlinien.
- Gefährdet (gelb): 100 bis 199 Punkte – es besteht das Risiko einer Deaktivierung.
- Schlecht (rot): 99 Punkte oder weniger – das Konto kann deaktiviert werden oder ist es bereits.
Neue Verkäufer starten bei 200 Punkten. Grundlage sind die letzten 180 Tage. Für neue Verstöße verlierst du Punkte, für erfolgreich behobene bekommst du sie zurück. Wer selbst versendet, kann zusätzlich Punkte über Kontaktrate, Antwortzeit und Käuferzufriedenheit sammeln.
Schweregrade und Wiederholungen
Amazon stuft Verstöße als kritisch, hoch, mittel oder niedrig ein. Wiederholst du einen Verstoß gegen dieselbe Richtlinie, kostet jeder weitere mehr Punkte. Und es gibt eine harte Grenze: Erreichst du innerhalb von 180 Tagen die Höchstzahl wiederholter Verstöße gegen eine einzelne Richtlinie, droht die sofortige Deaktivierung. Bei schweren Verstößen liegt diese Höchstzahl bei höchstens zwei.
Unabhängig von der Punktzahl kann Amazon ein Konto sofort deaktivieren, wenn betrügerische, irreführende, illegale oder anderweitig schädliche Aktivitäten vermutet werden.
Welche Richtlinien in die Bewertung einfließen
Laut Amazon fließen derzeit unter anderem diese Richtlinien ein:
- Produktpiraterie, Markennamen und geistiges Eigentum
- Angemessene Preisgestaltung
- ASIN-Erstellung und Richtlinien für Produktdetailseiten
- Kategorie-, Produkt- und Inhaltsbeschränkungen
- Kommunikationsrichtlinien und Produktrezensionen von Kunden
- Zustandsangaben für Produkte
- Produktsicherheit und Compliance
- Verkaufsrichtlinien und Verhaltenskodex für Verkäufer
Nicht alle Amazon-Richtlinien sind in der Bewertung enthalten. Du musst trotzdem alle einhalten.
Die Kennzahlen zur Kundenzufriedenheit
Neben der Bewertung misst Amazon feste Leistungskennzahlen. Drei davon sind vertragliche Ziele: Rate an Bestellmängeln, Stornorate und Rate verspäteter Lieferungen.
- Rate an Bestellmängeln: unter 1 %. Zählt Bestellungen mit negativer Bewertung, nicht abgelehntem A-bis-Z-Garantieantrag oder Kreditkartenrückbuchung, über 60 Tage.
- Stornorate: unter 2,5 %, über 7 Tage. Nur bei Versand durch Verkäufer.
- Rate verspäteter Lieferungen: unter 4 %, über 10 oder 30 Tage. Nur bei Versand durch Verkäufer.
- Rate gültiger Sendungsverfolgungsnummern: über 95 %, über 30 Tage. Darunter drohen Einschränkungen in der jeweiligen Kategorie.
- Rate pünktlicher Lieferungen: Amazon empfiehlt über 97 %, derzeit ohne Konsequenzen.
- Rate an Rechnungsmängeln: unter 5 % bei Bestellungen von Amazon-Business-Kunden. Die Rechnung muss innerhalb eines Werktags nach Versand hochgeladen sein.
Storno- und Verspätungsrate betreffen nur den Selbstversand. Für die Bestellmängelrate nennt Amazon keine solche Einschränkung – behalte sie also auch mit FBA im Blick.
Was in der Praxis zur Sperre führt
- Offene Richtlinienverstöße, die niemand bearbeitet, bis die Punktzahl unter 200 fällt.
- Wiederholte Verstöße gegen dieselbe Richtlinie innerhalb von 180 Tagen.
- Eine Bestellmängelrate über 1 %, etwa durch eine Welle von A-bis-Z-Anträgen.
- Beschwerden wegen Markenrechten, Fälschungen oder geistigem Eigentum.
- Fehlende Compliance-Nachweise: Fehlen GPSR-Angaben oder EPR-Nummern, deaktiviert Amazon Angebote – meist zuerst einzelne, nicht gleich das Konto.
- Verdacht auf Betrug oder irreführendes Verhalten – hier ohne Vorwarnung.
Was du tun kannst
Amazon prüft die Verkäuferleistung regelmäßig und informiert dich, wenn du Ziele verfehlst. Bei drohender Deaktivierung ruft Amazon unter Umständen an – halte deshalb die Telefonnummer unter „Benachrichtigungen“ im Bereich Notfallbenachrichtigungen aktuell. Wurde dein Konto deaktiviert, kannst du Widerspruch einlegen. Dafür legst du einen Maßnahmenplan vor, der erklärt, was zum Problem geführt hat und wie du es behebst.
Checkliste Kontozustand
- „Verkäuferleistung“ täglich öffnen, nicht erst bei einer E-Mail
- Neue Verstöße sofort bearbeiten, schwere zuerst
- Bestellmängelrate im Blick: negative Bewertungen und A-bis-Z-Anträge schnell klären
- Kundennachrichten innerhalb von 24 Stunden beantworten
- Compliance-Zeilen (GPSR, EPR, Gefahrgut) offen halten und abarbeiten
- Notfall-Telefonnummer aktuell
- Bei Selbstversand: Versand pünktlich bestätigen, gültige Sendungsnummern übermitteln
Die 24 Stunden für Kundennachrichten sind unsere Empfehlung aus der Praxis, keiner der oben genannten Grenzwerte von Amazon.
Gilt die Bewertung für alle Länder gleich?
Nein. Amazon zeigt die Bewertung der Verkäuferleistung für jeden Store, in dem du verkaufst, auf der Seite „Verkäuferleistung“ an. Ein Problem in Frankreich kann also das Konto dort gefährden, auch wenn in Deutschland alles grün ist.
Wie lange zählt ein Verstoß?
Die Bewertung spiegelt laut Amazon die Richtlinieneinhaltung und Verkaufsaktivitäten der letzten 180 Tage wider. Behebst du einen Verstoß erfolgreich, bekommst du die Punkte zurück – warten allein reicht also nicht, du musst ihn bearbeiten.
Kontozustand, Fälle und Kundennachrichten haben wir bei unseren Kunden jeden Tag im Blick. Wie das läuft, zeigen wir auf unserer Seite Account Management.
Gelbe oder rote Werte im Konto?
Im kostenlosen Erstgespräch schauen wir auf deine Verkäuferleistung und sagen dir, was zuerst zu tun ist.
